Mit 200 Gästen stieß das Foyer des Daetz-Centrums am 22. September 2006 an die Kapazitätsgrenze. Ebenso viele Musikfreunde waren bereits am Tag vorher in die Stollberger St. Jakobikirche gekommen, um die international berühmte Barbara Dennerlein mit allen Sinnen zu erleben. Die Künstlerin, die in Großstädten dieser Welt von Düsseldorf bis New York Konzertsäle mit 800 und mehr Menschen füllt, war dem Ruf der Sächsischen Orgelakademie e. V. zu diesen beiden Konzerten nach Sachsen gefolgt. Wieder hatte die in Lichtenstein ansässige Orgelakademie einen unkonventionellen Schritt gewagt, um zu demonstrieren, wie vielseitig und bereichernd Orgelmusik sein kann, und um auch Jazz-Freunde und junges Publikum anzulocken. So erklärte der Vorsitzender der Sächsischen Orgelakademie e. V., Dr. Johannes Roßner, das Anliegen. Der Auftritt Barbara Dennerleins sei der Höhepunkt des Konzertjahres 2006.
Sponsoren wie der Kulturraum Zwickauer Raum, die Stadt Lichtenstein, die Sparkasse Chemnitz und der Energiedienstleister enviaM hatten es ermöglicht, die „Grand Dame“ an der Hammond-Orgel B3 zu engagieren.
In den beiden Konzerten mit jeweils unterschiedlich gestaltetem Programm „Hammond meets Church Organ“ begeisterte die Solistin an ihrer eigenen Hammond B3-Orgel ebenso wie an der Pfeifenorgel – in Stollberg an der Jehmlich-Orgel und in Lichtenstein an der digitalen Konzertorgel der Orgelakademie. Die Organistin faszinierte ihr Publikum mit Eigenkompositionen und interessanten Interpretationen, mit harmonischen und ungewohnten Klängen, mit schnellen Registerwechseln, die jedes Stück zu neuen, überraschenden Tonfolgen gedeihen ließen. Die effektreiche Beleuchtung und in der Kirche die zusätzliche Videowand ermöglichten den Zuhörern, den über zweieinhalbstündigen vollen Körpereinsatz beim virtuosen Spiel der Dennerlein zu bewundern.
Zwischen den Stücken plauderte die Münchnerin in ihrem charmanten Dialekt über ihr Verhältnis zur Musik, über ihre Eltern und über ihre Karriere, die mit elf Jahren an einer geschenkten Hammond-Orgel begann, über Gedanken beim Entstehen ihrer Kompositionen und über Begegnungen mit Musikern, die ihren Weg geprägt haben. Diese Einführungen freuten die Jazz-Fans aller Altersklassen genauso wie sie Neulingen einen Zugang zu Jazzmusik an der Orgel ermöglichten.
Nach reichlich Beifall und Zugaben zeigte die Künstlerin noch keine Müdigkeit. Lächelnd und freundlich beantwortete Barbara Dennerlein Fragen.
Gern sei sie zur Sächsischen Orgelakademie gekommen und nicht das erste Mal in Sachsen. „Ich bin immer neugierig auf neue Menschen, lerne gerne neue Orte und vor allem andere Orgeln kennen. Meine Begleiterin Cleo, eine Chihuahua-Mischung, vermittelt mir dabei immer ein Stück Heimat.“
Allein mit ihrem Instrument, mit Hund und Computer war sie angereist, ihre Bühnentechniker kamen aus der hiesigen Region. „Es hat alles super geklappt, das Publikum, die schöne Stimmung, der Sound, die Beleuchtung. Selbst eine kleine technische Panne an der Stollberger Orgel wurde noch während des Konzerts behoben. Im Daetz-Centrum hat mir die Verbindung zur Holzkunst und das interessante Ambiente besonders gefallen.“ Nach diesem Resümee fügte Barbara Dennerlein hinzu: „Wenn das gewünscht wird, komme ich gern wieder, vielleicht auch um noch andere Orgeln in der Region kennen zu lernen.“
Ricarda Stöckel