Auf Silbermanns Spuren zur Internationalen Orgelwoche

Kirche in Nassau Foto. Stöckel
Traditionell findet jedes Jahr zur Internationalen Orgelwoche der Sächsischen Orgelakademie e. V. eine öffentliche Exkursion statt. In diesem Jahr führte sie die Kursteilnehmer und andere Orgelfreunde ins Osterzgebirge nach Nassau und Frauenstein. Exkursionsleiter KMD i. R. Professor Andreas Schröder aus Karlsruhe wies darauf hin, dass alle drei besuchten Orgeln frisch restauriert und in hervorragendem Zustand sind: Die Silbermannorgel in der Dorfkirche von Nassau, die Kopie einer Silbermannorgel  im Gottfried-Silbermann-Museum und die Kreutzbach-Eule-Orgel in der Stadtkirche Frauenstein. An den drei Orgeln gab es Konzerte und Gelegenheit  für die Gäste, die Instrumente zu probieren.

In bewährter Weise hatte Andreas Schröder, der in Sachsen geboren wurde, immer wieder zu seinen Wurzeln zurückkommt, Konzerte gibt und die Orgellandschaft in Sachsen bestens kennt, diesen Tag bestens vorbereitet. Die Teilnehmer bekamen Informationsmaterial zu den besuchten Orten, deren Geschichte und zu den Silbermannorgeln in die Hand, das durch eigene Zeichnungen illustriert wurde. Kurzfristig musste leider aus technischen Gründen die angekündigte Besichtigung der Kirche in Lengefeld  entfallen. Stattdessen stand die Kirche in Nassau auf dem Programm. Hier hatte Gottfried Silbermann 1748 die letzte Orgel vor seinem krönenden Werk in der Katholischen Hofkirche Dresden errichtet. Das Instrument in der Dorfkirche ist sehr gut erhalten. 1998 hat die Orgelbaufirma Jehmlich (Dresden) die Orgel nach denkmalpflegerischen Grundsätzen restauriert.

In Frauenstein erfuhren die Besucher vom Schicksal der beiden Orgeln, die Gottfried Silbermann für seine Heimatstadt gebaut hatte und die in großen Stadtbränden Opfer der Flammen wurden. Im nur teilweise erhaltenen Schloss Frauenstein ist das Museum als erste museale Gedenkstätte eines Orgelbauers untergebracht. Gottfried Silbermann wurde 1683 im benachbarten Kleinbobritzsch geboren und lebte vom dritten Lebensjahr an in Frauenstein. Eine besondere Zier dieses Museums ist die Kopie (Kristian Wegscheider) einer Orgel, die Gottfried Silbermann um 1734 für die kleine Kirche in Etzdorf bei Freiberg erbaut hatte und die nach Umwegen 1939 in der Krypta des Bremer Doms aufgebaut wurde.

Die Leiterin des Museums, Gisela Müller , informierte die Gäste angesichts des straffen Zeitplans in Kurzfassung über das Museum und den berühmten Orgelbauer. Andreas Schröder spielte mehrere Orgelstücke von Johann Sebastian Bach und anschließend nutzten die Kursteilnehmer auch an dieser Orgel die Gelegenheit zum Probieren.

Anschließend luden Kantor Peter Kleinert und Andreas Schröder zum öffentlichen Konzert in die Stadtkirche Frauenstein ein. Andreas Schröder lieferte Hintergrundinformationen: „Nachdem zweimal eine Orgel von Gottfried Silbermann Raub der Flammen wurde, entstand 1873 die bis heute bestehende Orgel, das Opus 140 des bedeutenden sächsischen Orgelbauers Richard Kreutzbach (1839 - 1903). Es ist ein typisches Werk der Hochromantik mit einem fülligen, vollem Werk, sanften flöten, Streicherklangfarben und einem Schwellkasten für vier Register. Trotz nachträglicher Umbauten blieben 27 von 30 Originalregistern erhalten. Dies ermöglichte 2007/2008 eine denkmalgerechte Restaurierung des Instruments durch die Werkstatt Hermann Eule (Bautzen). Bemerkenswert ist, wie sehr die innere Anlage der Orgel der sächsischen Silbermann-Tradition folgt."

Auch hier gab es nach dem Konzert für alle jungen Leute die Möglichkeit, selbst an dieser Orgel zu spielen.

Trotz einer Reifenpanne des Busses mit zum Glück sehr schneller fachmännischer Hilfe in Chemnitz-Glösa äußerten sich die Exkursionsteilnehmer nach der sicheren Rückkehr sehr zufrieden über diesen anregenden Tag mit vielen Eindrücken, neuen Kenntnissen, Erlebnissen und Gesprächen rund um die Orgel.

Zur Bildergalerie