Der Auftakt der diesjährigen Internationalen Orgelwoche am 21. August 2010 war eine Gemeinschaftsaktion des Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirks Chemnitz mit der Chemnitzer Verkehrs-AG und der Sächsischen Orgelakademie e. V. Hunderte Orgelfreunde drängten sich in die Busse, die auf einer Romantik- und einer Barockroute jeweils vier Chemnitzer Kirchen anfuhren. Dort gaben renommierte Organisten jeweils halbstündige Konzerte. Zur Halbzeit gab es eine Pause mit Imbissangebot und die Gelegenheit, an der Zentralhaltestelle die Route zu wechseln.
Bei der Romantikroute machte die St. Georgkirche in Rabenstein den Anfang. Hier spielte Thomas Lennartz, Domorganist der Kathedrale in Dresden, an der Kreutzbach-Eule-Orgel Stücke von Gustav Adolf Merkel, Frank Bridge, Alexandre Guilmant und Jan Janca, bevor er mit seiner Improvisation „zur Sommerzeit“ brillierte. Nächste Station war die St. Josephskirche in der Gießerstraße. Hier brachte der Erfurter Domkantor Silvius von Kessel mit Improvisationen im symphonischen Stil an der Schmeißer-Orgel den Kirchenraum zum Beben. Zu den zahlreichen Zuhörern gehörten zwei junge Freunde der Orgelakademie, die selbst Orgel spielen: Pascal und Markus Kaufmann aus Lichtenstein. Sie zollten dem Solisten höchste Anerkennung: „Was soll danach eigentlich noch kommen?“ fragten sie beeindruckt. Doch das Durchhalten bis Mitternacht lohnte sich in jedem Fall. Auch die Ladegast-Jehmlich-Orgel in der St. Petrikirche am Theaterplatz brachte unter den Fingern von Michael Kapsner von der Hochschule für Musik Franz Liszt alle Register zur Geltung. Nach der Orgelsonate c-Moll „Der 94. Psalm“ von Julius Reubke erklangen auch hier Improvisationen. Ein sehr schönes Konzert von Jörg Strodthoff, der sein Programm und die Sauer-Orgel dem Publikum persönlich vorstellte, belohnte alle Zuhörer am späten Samstagabend noch in der Lutherkirche. Werke von Carl Piutti, Max Reger und Karl Hoyer sowie der von Sigfrid Karg-Ehlert für Orgel arrangierte „Brautzug zum Münster“ aus der Oper Lohengrin von Richard Wagner wurden dem spätromantischen Charakter der Orgel gerecht.
Die Stationen der Barockroute waren die Trinitatiskirche in der Frankenberger Straße, in der Jan Katzschke (Dresden) süddeutsche und italienische Orgelmusik des 17. Jahrhundert spielte. Albrecht Koch (Freiberg) spielte in der St. Andreaskirche am Gablenzplatz Werke von Johann Sebastian Bach und Johann Kuhnau. In der St. Jakobikirche (Innere Klosterstraße) spielte Klaus Eichhorn (Berlin) und in der Kreuzkirche (Henriettenstraße) setzte als einzige Solistin Christiane Bräutigam (Leipzig) den Schlussakzent.
„Es war manchmal etwas anstrengend, wenn man so schnell wieder zum Bus musste und keinen Sitzplatz bekam, aber es hat sich gelohnt. So ein Angebot war mal etwas ganz anderes!“ So zogen Besucher ihr Fazit, die um Mitternacht aus dem letzten Bus stiegen.