Internationale Orgelwoche 2011: Konzert in der Nikolaikirche Leipzig mit Prof. Andreas Schröder

Professor Andreas Schröder
KMD Professor Andreas Schröder aus Karlsruhe war Solist des Konzertes am 24. August 2011 in der sehr gut besuchten Nikolaikirche Leipzig. Der gebürtige Leipziger hatte ein Programm mit starkem Bezug zu Leipzig und der weiteren Umgebung zusammengestellt, das großen Beifall fand.

(Informationen zur Orgel auch unter Veranstaltungsberichte - Exkursion nach Pomßen und Leipzig mit Prof.
Andreas Schröder)

Prof. Andreas Schröder erläuterte sein Konzertprogramm:

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847): Sonata B-Dur op. 65/4 (1845)

„Unter den sechs Orgelsonaten des Komponisten kommt die vierte in B-Dur dem klassischen Sonatenzyklus am nächsten. Ihr erster Satz verbindet sonatenhafte Züge, einen ausgeprägten Themendualismus mit Elementen des Bachschen Präludiums. Das „Andante religioso" ist ein feierlicher Marsch. Einem von Mendelssohn häufig gepflegten Scherzotyp folgt das Allegretto. Die vierte Sonate endet mit einer Fuge, die von zwei fast identischen Abschnitten
hymnischen Charakters eingerahmt wird. Ihr Thema erinnert an fugierte Abschnitte in Bachs es-Dur-Präludium."

Franz Liszt (1811-1886): Consolation Des-Dur, Präludium und Fuge über B-A-C-H

„In Weimar entstanden 1850 sechs „Consolations", Klavierstücke, die Franz Liszt als pensées poetique bezeichnet hatte. Drei Sätze daraus übertrug der Weimarer Organist und Liszt-Freund A. W. Gottschalg für die Orgel. Das Präludium über B-A-C-H, sein bekanntestes Orgelwerk, komponierte Liszt für die Einweihung der Domorgel in Merseburg, die im Herbst 1855 stattfinden sollte. Da die Komposition aber nicht rechtzeitig fertiggestellt war, erlebte
das Werk erst ein Jahr später seine Uraufführung. 1869 revidierte Liszt noch einmal seine Komposition und veröffentlichte sie in der heute zu hörenden Gestalt."

August Gottfried Ritter (1811 - 1885): Orgelchoral Gib dich zufrieden und sei stille, 3. Sonate a-moll op. 23 (1855)

„August Gottfried Ritter gehörte zu den bedeutendsten deutschen Orgelmeistern des 19. Jahrhunderts. Er war Domorganist u. a. in Merseburg und Magdeburg. Seinen Ruf als Organist und überragender Improvisator festigte vor
allem das Konzert zur Einweihung der neuen Orgel in der Lübecker Marienkirche. Etwas vom stürmisch-phantastischen Geist des legendären Lübecker Orgelmeisters Dietrich Buxtehude strahlt auch Ritters 1855 entstandene und in Magdeburg gedruckte dritte Orgelsonate in a-moll aus. Allerdings ist der Begriff Sonate
hier recht weit zu fassen. Dahinter steht die Idee, die Bestandteile des mehrsätzigen Sonatenzyklus in eine einsätzige Form zu projizieren. Eine schwungvolle Toccata eröffnet die Franz Liszt gewidmete a-moll-Sonate. Ein
Rezitativ leitet über zu dem ruhigeren Satzteil, dem ein choralartiger Gedanke folgt. Danach setzt ein viertes, marschartiges Thema ein, dass in einer brillanten Schlussfuge nach dur gewendet wird. Keine Sonate also im Sinne eines überlieferten Formenkonzeptes, aber gegensätzliche, doch aufeinander bezogene Gedanken - das Ergebnis ist eine innere Einheit, die die große Form rechtfertigt."

Karl Hoyer (1891 - 1936). Memento mori!

Der  in Weißenfels geborene Karl Hoyer war 1926 einstimmig zum Organisten der Leipziger Nikolaikirche gewählt
worden. Diesen Posten bekleidete er bis zu seinem frühen Tod. Vor seiner Leipziger Zeit war er als Domorganist in Reval (Tallin) und in der Jakobikirche Chemnitz tätig gewesen. In Leipzig gehörte Hoyer neben Straube und Ramin zu den „Drei Gewaltigen der Orgelwelt", der über ein immenses Repertoire verfügte.

Der Orgelzyklus „Memento mori!" (Gedenke des Todes) enbtstand 1921/22. Seine Titel, sicher ausgelöst durch die Erfahrung des 1. Weltkrieges, erinnern an Gustav Mahler. Der „Totentanz" ist gewissermaßen das Scherzo des Zyklus. In der abschließenden „Verklärung" zitiert Hoyer, wie Widor in seiner X. Sinfonie, das Graduale vom Ostersonntag „Haec Dies" (dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasst uns frohlocken und seiner uns freuen)"

Sponsoren der Internationalen Orgelwoche: Sparkasse Chemnitz, Kulturraum
Vogtland-Zwickau, Stadt Lichtenstein

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