
Solist beschert den Zuhörern ein Wechselbad der Gefühle
Organist Andreas Schröder begeistert beim Eröffnungskonzert zur Orgelwoche
Organist Andreas Schröder hatte am Sonntagabend in der St. Laurentius-Kirche gerade den letzten Ton des Eröffnungskonzertes zur Internationalen Orgelwoche gespielt, da folgte auf einen kurzen Moment der andächtigen Stille ganz plötzlich ein lautes „Bravo". Gotthold Müller war es, der sich nicht zurückhalten konnte. Der ehemalige Lichtensteiner Kantor war begeistert, schmiss seinem ersten „Bravo" gleich noch ein zweites hinterher und animierte so auch die anderen rund 50 Zuhörer, jegliche Zurückhaltung abzulegen und heftig zu applaudieren.
Schröder hatte alles gegeben, vor allem die beiden harten Brocken -August Gottfried Ritters Sonate Nr. 4, op. 31, und das Schlussstück, den zweiten Teil von Max Regers Choralfantasie, op. 5 2 - mit Bravour gemeistert. Beide Stücke hatten Schritt für Schritt einen düsteren, basstiefen Klangteppich ausgebreitet, der ein wieselflinkes Auf und Ab und Hin und Her der Töne mit sich führte. Die Musik bescherte den Zuhörern ein Wechselbad aus Frohlocken und tief brummenden Moll-Tönen.
Zwischen den beiden Hauptsäulen des sonntäglichen Orgelabends war es vergleichsweise beschaulich zugegangen, als Irene Naegelin geistliche Lieder Max Regers zum Besten gegeben hatte. Naegelin entfaltete das gesamte Klage-Potential der Lieder, die erfüllt waren von der Nachdenklichkeit und der Traurigkeit der Romantik. Doch trotzdem wirkten diese geistlichen Lieder dank Naegelins angenehmer, klarer Stimme auf den Zuhörer wie eine Pause - eine leicht zu verdauende Zwischenmahlzeit, nachdem Schröder zuvor Ritters schwere Kost serviert hatte.
Andreas Schröder ist Stammgast bei der Internationalen Orgelwoche der Sächsischen Orgelakademie mit Sitz in Lichtenstein. Seit 1994 ist der Kirchenmusiker und Professor für Orgel an der Karlsruher Staatlichen Hochschule für Musik jedes Jahr dabei, gibt Konzerte und Kurse. In diesem Jahr widmet er sich als Gastdozent der Orgelmusik des süddeutschen Barock.
Vor dem Konzert hatte ein Namensvetter Schröders für Aktionismus bei dem Vorsitzenden der Sächsischen Orgelakademie, Johannes Roßner, gesorgt. Ausgerechnet des Kanzlers Fernseh-Duell sollte sich mit dem Konzert überschneiden. „Zuerst Andreas Schröder und dann auch Bürgermeister Wolfgang Sedner hatten uns darauf hingewiesen und angeregt, das Konzert auf 18 Uhr vorzuverlegen", sagt Roßner. Doch nach Rücksprache mit Vertrauten aus dem Kulturbereich hatte sich Roßner gegen eine Verlegung entschieden. Die Vorverlegung wäre zu kurzfristig gekommen und hätte zwar den einen oder anderen Gast aus der Politik mehr, aber sicher auch viele Musikliebhaber durch eine kurzfristige Änderung weniger in die Kirche gelockt.