
Abschlusskonzert in der Johanniskirche Plauen -
Rarität in der Stadtmusikgeschichte
Zwei Mal kurz hintereinander hat die Sächsische Orgelakademie, Sitz Lichtenstein - im Vogtland ihre Visitenkarte abgegeben. Bereits am 1. September machte sie auf sich aufmerksam, indem sie in Zusammenarbeit mit der Auerbacher Laurentiuskirche ein Konzert unter dem Thema „Johann Pachelbel und seine Zeit" anlässlich der 350. Wiederkehr des Tauftages des bedeutenden deutschen Organisten in Auerbach veranstaltete. KMD Jörg Bräunig spielte Orgelwerke Pachelbels unter anderem aus dem Plauener Orgelbuch von 1708. Mitglieder des Kammerchores Vocalkreis'93 sangen ältere Chormusik. Der Vorsitzende der Akademie , Dr. phil. Habil. Johannes Roßner, sprach über Leben und Wirken Pachelbels und über den Einfluss seiner Choralbearbeitungen auf das Schaffen von Johann Sebastian Bach.
Am Mittwoch führte die Sächsische Orgelakademie in der Plauener Johanniskirche das Abschlusskonzert ihres Workshops Orgel & Orchester 2003 durch. Studenten von de staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe und von der Dresdner Hochschule für Kirchenmusik präsentierten in einem bemerkenswerten Kircheorchester, was sie in drei arbeitsreichen Tagen erlernt hatten. Der Karlsruher Professor Andreas Schröder, der gemeinsam mit dem Dresdner Professor Martin Strohhäcker den Kurs führte, sprach in seinen Dankesworten von einer neuen Dimension, die gegenüber vorangegangenen Kursen nun trotzt einschneidender Sparmaßnahmen erreicht wurde. Die Studenten hätten das erkannt und sich mit Eifer in ihre Aufgaben gestürzt. Geduld und Erfahrung wurden der Vogtland Philharmonie Greiz/ Reichenbach und ihrem Dirigenten Musikdirektor Stefan Fraas bescheinigt, die den jungen Orgelsolisten zur Verfügung standen. Die Qualitäten der Vogtland Philharmonie für solche Aufgaben scheinen sich herumgesprochen zu haben., denn der Orgelkurs der Sächsischen Orgelakademie ist für die Philharmonie nur die momentane Spitze einer langen Reihe, die sich vor Jahrzehnten bildete und für manchen heute renommierten Dirigenten, Instrumentalisten oder Sänger eine erste wichtige Begegnung in Sachen Zusammenarbeit mit einem Orchester war.
Einige der künftigen Orgelsolisten spielten zum ersten ale mit einem Orchester. Die Erfahrung mit orchestralen Unabdingbarkeiten wie rhythmischer Disziplin in der Stimmenführung, dynamischer Einordnung, Angleichung der Klangfarbe über die Registrierung oder mit dem bewusst gewählten Kontrast, mit Tempofragen, Auffassungen zur Ornamentik bis hinzu Stimmungsproblemen dürfte für alle aktiven Teilnehmer der eigentliche Gewinn gewesen sein. Organisten sind es schon von ihren Aufgaben im Rahmen ihrer Kirchenmusik gewöhnt, als Einzelspieler solistisch und begleitend zu wirken. Diesmal galten andere Mechanismen, vom diffizilsten kantablen Satz bis hin zum Klangrausch eines mächtigen Finalssatzes.
Der Veranstalter legte Wert darauf, möglichst viele Kandidaten unter Öffentlichkeitsbedingungen musizieren zu lassen. Nach diesem Prinzip erfolgte in einigen der vier(!) auf dem Programm stehenden Orgelkonzerte die Satzvergabe. Aus spieltechnischen und interpretatorischen Gründen wählten die Professoren Werke aus, die Eckpunkte der historischen Entwicklung des Orgelkonzertes besetzten und bis heute durchweg Standards der solistischen Praxis sind. Zu hören waren Georg Friedrich Händels Werk F-Dur aus op. 4 - er setzte als erster Komponist die Orgel als „virtuose Solistin" in Form einer selbstständigen Zwischenaktmusik bei Operumbauten ein - und Joseph Haydns heiteres C-Dur Werk, beide auf einer Truhenorgel interpretiert.
Den großen Sprung in der Orgelkonzertkomposition des 19. Jahrhunderts markierte Joseph Rheinbergers Konzert Nr. 2 g-Moll. Die französische Schule war durch Alexandre Guilmants gewaltige Symphonie für Orgel und Orchester Nr.1 d-Moll vertreten. Durch beide Werke kam die dreimanualige Jehmlich-Orgel der Johanniskirche zu besonderen Ehren, und noch dazu mit dem angenehmen Akzent, dass sie diesmal ausschließlich der Jugend zur Verfügung stand.
Für den Orgelfreund war die Veranstaltung ein Ohrenschmaus sondergleichen, der zumindest in der Plauener Stadtmusikgeschichte in dieser Form eine Rarität darstellt. Eine selten zu erlebende Parade großartiger Orgelkonzerte zog vorüber.
Diesmal ging es weniger um die erfüllten Erwartungen exellenter solistischer Leistungen, sondern vielmehr um erkennbare Herangehensweisen junger Organisten an die Gattung Orgelkonzert, geleitet durch die Hinweise ihrer Lehrer, aber auch geprägt vom erwünschten Einbringen eigener Vorstellungen.
Mit dem Gefühl eines gelungenen Orgelkurses hatte Johannes Roßner guten Grund, sich herzlich bei Pfarrer Hans-Jürgen Kutter und bei der Johannisgemeinde der Stadt Plauen für die freundliche Bereitstellung des Kirchenraumes und der Kirchenorgel zu bedanken.