Orgelkonzert

Foto: Andreas Tannert
Freie Presse Stollberg am 30.06.2003
Beitrag von Evi Lang

Abendlicher Hörgenuss mit weltweit gefragtem Orgelspezialisten
Orgelforum Sachsen bedenkt Stollberg mit besonderem Konzertereignis

Einen abendlichen Hörgenuss der ganz besonderen art bot am Samstagabend der niederländische Organist Prof. Dr. Ewald Kooiman aus Amsterdam in der St. Jakobikirche Stollberg. Auf der historischen Jehmlich-Orgel aus dem Jahre 1883 spielte der international gefragte Organist und Orgelwissenschaftler Werke niederländischer Komponisten des 19. Jahrhunderts.

Stattfinden konnte dieses Konzertereignis innerhalb des Orgelforums Sachsen-Europas 2003, das unter dem Thema „Traditionen des Orgelbaues und der Orgelmusik in Böhmen, Sachsen und den Niederlanden" am Wochenende in Lichtenstein und Umgebung tagte. Dr. Johannes Roßner, Musikwissenschaftler und Organist, freute sich gemeinsam mit der Stollberger evangelischen Kirchegemeinde, dass in der St. Jakobikirche ein solch seltenes Konzert mit von Kooiman neu entdeckten und teilweise noch unveröffentlichten Werken niederländischer Organisten stattfinden konnte. Auch verweist er auf die Gemeinsamkeiten der niederländischen, sächsischen und böhmischen Orgelmusik: „Orgelbauer aus Sachsen, so die bekannte Orgelbauerfamilie Trampeli aus dem Vogtland, haben den niederländischen Orgelbau wesentlich mitgeprägt. Aber auch berühmte niederländische Komponisten wie Jan Albert van Eyken haben an deutschen Universitäten in Dresden und Leipzig studiert und somit der Orgellandschaft teilweise eine ganz eigene und besondre Prägung verliehen."

Kooiman hingegen fühlte sich in der Stollberger St. Jakobikirche ganz wie zu Hause. „Ich habe mich fantastisch gefühlt. Auf dieser klassischen Orgel haben die ausgewählten werke einen ganz besonderen Klang bekommen", resümiert er mit niederländischen Akzent und fügt hinzu:
„Es hat mir großen spaß gemacht, hier in Stollberg zu spielen." Wahrhaftig war es eine Freude, dem virtuosen und leidenschaftlichen Spiel des Organisten zuzusehen, der selbst von sich sagt: „Die Stimmen und Register sind für mich wie die Palette mit tausend Farben für einen Maler."

Auch Kirchenmusikdirektor Henoch Schürer und Superintendent Johannes Schädlich sind stolz über den gelungenen Abend, denn in Verbindung mit der Innenrenovierung der Kirche 2002 wurde auch die Orgel, gebaut vom königlichen Hoforgelbauer aus Dresden, Carl Eduard Jehmlich generalüberholt. Seitdem wird sie regelmäßig betreut. „Das ist sehr wichtig, denn einzelne Register dieser wertvollen Orgel sind sehr wärmeempfindlich", hebt Orgelbaumeister Christian Reinhold hervor.

So wurde der außergewöhnlichen Geschichte der Stollberger Jehmlich-Orgel an diesem Abend ein weiterer interessanter Mosaikstein hinzugefügt.