
Meister spricht selbst über die Musik
Kapazität in der Welt der Organisten, Ewald Kooiman, zu Gast in Lichtenstein - Einblick in enge Band
Ewald Kooiman ist von kräftiger Statur. Ein großer, starker Mann, der entweder oft Holz hacken muss oder sich als Bodybuilder probiert. Letzteres trifft auf Ewald Kooiman zu. Nur das bei ihm zum Groben immer auch Gefühl gehört: Kooiman ist Musikprofessor, gilt nicht nur in den Niederlanden als Koryphäe in der Orgelmusik und in seinem Spezialgebiet Johann Sebastian Bach. Am Samstagabend brillierte er bei einem Konzert in Stollberg. Zuvor hatte er im Rahmen einer Konferenz innerhalb des Orgelforums Sachsen-Europa vor rund 15 Orgelexperten einen Fachvortrag zum niederländischen Orgelbau im 19. Jahrhundert gehalten.
Kooiman ist nicht irgendwer im Orgelbereich. „Ich habe zweimal das gesamte Orgelwerk von Bach aufgenommen - einmal auf Schallplatte und einmal auf CD, erzählt er am Rande seines Vortrages selbstbewusst.
Und nicht nur Orgel spielen kann er ausgezeichnet: Bis vor zwei Wochen verdiente der 65-jährige Niederländer seine Brötchen als Orgelprofessor an der Freien Universität Amsterdam, hielt nebenbei als Gastdozent Vorlesungen in Deutschland, Belgien, Frankreich und Südafrika. Inzwischen genießt er seinen Ruhestand, auch wenn sich dadurch gar nicht so viel geändert habe. Sein Herz schlage halt weiterhin für die Orgeln
Dass es ihn nun ausgerechnet nach Sachsen verschlagen hat, um an der Konferenz der Sächsischen Orgelakademie teilzunehmen, hat seine historische Legitimation. Denn die sächsische und die niederländische Orgelgeschichte gehören zumindest seit dem 19. Jahrhundert zusammen. Ab 1840 waren zahlreiche heute bekannte Organisten nach Dresden, Leipzig und Dessau gekommen, um von Schneider und Mendelssohn zu lernen. Johannes Gijsberus Bastiaans und Johannes Albertus van Eijken gehörten dazu. Sie lernten mehrere Jahre in Sachsen und kehrten dann zurück in die Biederlande, um dort die in Sachsen gängigen werke Bachs, Mendelssohns und Händels zu spielen.
In den Niederlanden selbst gab es im Prinzip keine Organistenausbildung. Nur in Amsterdam, Rotterdam und Utrecht fand man lokale Orgelbautraditionen. Doch fehlte in Holland der Wille nach Erneuerung, sagt Kooiman. Lange Zeit verharrte die Orgellandschaft in traditionellen Strukturen und verschloss sich gegenüber neuen Strömungen. Erst im zweiten Teil des 19. Jahrhunderts änderte sich das allmählich.
Der sächsische Einfluss spielte dabei eine wichtige Rolle. Die jungen Organisten, die aus Sachsen zurückkamen, gründeten Orgelzentren, um ihr Wissen weiterzugeben. Auch heute noch ist die Orgel-Verbundenheit Sachsen mit den Niederlanden allgegenwärtig. Die Sächsische Orgelakademie war mit ihrem Konferenzthema, das sich's ehr stark auf den holländischen Orgelbau konzentrierte, demnach noch immer aktuell.