Orgelexkursion in das sächsische Vogtland

Foto: Franko Martin
Freie Presse Reichenbach am 13.10.2003

Pfeifen im Mittelpunkt der Fachsimpelei -
Sächsische Orgelakademie auf Exkursion:
Werkstattbesuch bei Meister Thomas Wolf in Limbach

Eine Gruppe von Organisten, Musikwissenschaftlern und Orgelfreuden unter der Leitung von Albin Buchholz und Johannes Roßner ließ sich erklären, woran Orgelbaumeister Thomas Wolf aus Limbach gerade arbeitet. Das etwa ein Dutzend Besucher reiste im Rahmen der 2. Orgelexkursion der Sächsischen Orgelakademie nach Mylau, Reichenbach und Limbach.

Die Orgelakademie ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Lichtenstein, der seine Mitglieder am Samstag zuerst nach Mylau in die Kirche führte. Dort steht eine Silbermann-Orgel, die wunderbar zum Thema der Exkursion passte, die unter dem Motto stand: Auf den Spuren Gottfried Silbermanns. Anlass der Themenwahl ist der 250. Todestag des weltberühmten Orgelbauers. Dem Besuch der Kirche folgte ein Abstecher ins Neuberin-Museum zur Ausstellung „Silbermanns Werke in Fotos".

Bei Orgelbaumeister Thomas Wolf schließlich konnten die Gäste etwas erfahren über die gerade laufende Sanierungsarbeit der Schulze-Orgel aus der Kirche Erfurt-Linderbach, Baujahr 1856, und die Trampeli-Orgel aus Sirbis bei Weida. Bei letztgenanntem Orgelbauer handelt es sich nicht etwa, wie man am Klang des Namens vermuten könnte, um eine italienische Orgel, sondern vielmehr um das total deutsche Produkt des Herrn Trampel der dem Zeitgeist folgend, seinem Namen einen italienischen Klang verleihen wollte, wie es im 18. Jahrhundert Mode war, wusste Wolf zu berichten.

Vom Fachmann gab es Erläuterungen zu den einzelnen Bauteilen einer Orgel, die unter anderem meist aus einem Großteil Zinnpfeifen und einem kleineren Anteil Holzpfeifen besteht. Zinn, oft in Legierung mit Blei verarbeitet, ergibt einen strahlenden, härteren Ton. Holz klingt weicher. Die Technik der Bearbeitung beider Materialien muss ein Orgelbaumeister gleichermaßen beherrschen. Bei der Sanierung der Musikinstrumente, die oft unter einer jahrzehntelangen Vernachlässigung zu leiden hatten, ist es häufig nötig, Dellen und Beulen aus dem Metall zu entfernen. Ist alles wieder gerichtet, muss der Handwerker sein musikalisches Können unter Beweis stellen und beim Spiel der Orgel erkennen, ob der exakte Klang wieder hergestellt ist.

Der Rundgang durch die Werkstatt dauerte zweieinhalb Stunden. !Wir hätten genau so gut noch einmal so lange reden können", so das Resümee des Orgelbaumeisters über den Besuch des Vereins.(sia)