
Ihr Make-up gilt als unantastbar -
Im Lichtensteiner Museum dreht sich alles um die Orgel
„Ausstellung" trifft es wohl nur zum Teil. Was seit Mittwochabend im Museum der Stadt Lichtenstein zu sehen ist, ist Klangerlebnis, Augenweide und Unterricht zum Anfassen zugleich. Und gibt noch dazu die seltene Gelegenheit, einen „Exoten" in Sachen Musik zu bestaunen.
„Impressionen zur westsächsischen Orgellandschaft" füllen noch bis zum 27. April das Dachgeschoss im Haus an der Ernst-Thälmann-Straße- Akribisch hat die Sächsische Orgelakademie zusammengetragen, welche Spuren die Königin der Instrumente in der Region hinterlassen hat, wie sie sich entwickelte und welchem Baumeister sie ihr Gesicht verdankt. „Die Pfeife einer Orgel zu berühren, das ist, als ob jemand einer Dame ins Make-up fassen würde", formulierte es Vereinsvorsitzender Johannes Roßner zur Eröffnungsveranstaltung vor vollem Haus.
Dennoch: Ausnahmsweise ist dort Anfassen an manchen stellen erlaubt, ja sogar ausdrücklich gewünscht. Am Pfeifentisch zum Beispiel, bei dem auf Knopfdruck die verschiedenen Töne vom Besucher selbst erzeugt werden können - Blasebalg wie bei einer „richtigen" Orgel inklusive. Wer weiß schon, welchen Unterschied im Klang eine Pfeife aus Holz im Vergleich zu einer etwa aus Metall fabriziert? Orgelbauer Christian Reinhold aus Bernsdorf hat den Tisch dem Museum zur Verfügung gestellt. Jetzt hofft Leiterin Anne-Sophie Günther, das er auch richtig oft zum Einsatz kommen kann. Warum nicht gleich auch für eine Exkursion im Fach Musikunterricht? Die Museumschefin hat Schulen der Umgebung angeschrieben und auf die Ausstellung hingewiesen. Mal nicht nur Noten zeichnen und Töne aus der Stereoanlage hören, sondern selbst in die tasten greifen und die Historie der Orgel lebensnah spüren können - es ist nicht allzu oft, dass so etwas angeboten wird.
Ein Teil de gezeigten Instrumente - wie die Truhen- und Digitalorgel oder das Cembalo - kamen schon zur Eröffnung zu Einsatz. Sie haben nun für knapp zwei Monate ihren Platz im Museum gefunden. Andere Exponate hatte Johannes Roßner zumindest verbal mitgebracht. Eine Orgel aus Amerika zum Beispiel, deren Pfeifenwerk ganze fünf Etagen hoch ist. Zwei Orgelbauer betreuen das Instrument täglich - mit satten 30.000 Pfeifen ist sie rekordverdächtig. Etwas kleiner, aber mindestens ebenso ungewöhnlich ist das Melodion, das in Lichtenstein zu sehen ist. Nur drei Stück gibt es (soweit bekannt) in ganz Europa - eines im Louvre in Paris, eines im Leipziger Grassi-Museum und das dritte eben nun als Leihgabe in der Ausstellung.
Das gemeinsame Projekt von Museum der Stadt und Sächsischer Orgelakademie erklärt Technologien und das Prinzip der Klangerzeugung ebenso, wie es einen Blick auf Orgeln der nahen und weiteren Umgebung ermöglicht. Und zeigt, dass neben Notenkenntnissen auch manchmal Muskelkraft für den richtigen Klang nötig ist.
Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.