Resümee II zur Internationalen Orgelwoche Zwickau 2002

Foto: Rolf Winkler
Zwickauer Pulsschlag am 18.09.2002
Beitrag von Antje Müller

Internationale Zwickauer Woche 2002
Erfolgreiche Weiterführung der Orgelakademien

Am 1. September war es wieder soweit: die Internationale Zwickauer Orgelwoche 2002 wurde mit einem klangvollen Orgelkonzert in der St. Laurentiuskirche Lichtenstein eröffnet. Zahlreiche Ehrengäste und Interessenten waren gekommen, um der in diesem Jahr 100-jährigen Lichtensteiner Jehmlich-Orgel die Ehre zu erweisen. Zum wiederholten Mal begeisterte Prof. Andreas Schröder aus Karlsruhe seine ca. 120 Zuhörer mit einem virtuosen und souverän-musikantischen Orgelspiel. Es erklangen u.a. bisher selten gespielte werke sächsischer Komponisten. Als Konzertzugabe überraschte Schröder das amüsierte Publikum mit einer Improvisation über ein allseits bekanntes erzgebirgisches Volkslied und unterstrich damit nochmals in besonderer weise den bei aller Internationalität dennoch vorrangig regionalen Bezug dieser Veranstaltungsreihe. Im Rahmen des Eröffnungskonzertes wurde an die Hochwasserkatastrophe in Sachsen erinnert und die Kollekte in Höhe von 757,00 € auf das Spendenkonto der Stadt Grimma überwiesen.

Die in diesen Tage stattfindende Internationale Orgelwoche 2002 setzt die Tradition der seit 1996 von der Stadt Zwickau veranstalteten und dem Kulturraum Zwickauer Raum großzügig geförderten Orgelakademien fort. Nunmehr wird sie von der Stadt Zwickau in Gemeinsamkeit mit der inzwischen institutionalisierten Sächsischen Orgelakademie e.V. Lichtenstein unter Leitung von Dr. phil. habil Johannes Roßner durchgeführt.

Kern der Orgelwoche 2002 waren wiederum die Interpretationskurse zur deutschen und europäischen Orgelmusik. Die Kurse wie auch die Konzerte fanden an ausgewählten, wertvollen Instrumenten der westsächsischen Region statt und werden von namhaften Dozenten aus dem In-und Ausland durchgeführt. Seit Jahren begleiten die Professoren Martin Strohhäcker, Dresden und KMD Andreas Schröder aus Karlsruhe die Akademiekurse. Erstmalig lehrten in den vergangenen Tagen in den Kursen Professorin Elisabeth Ullmann aus Salzburg und Professor Daniel Maurer aus Strasbourg - zwei ebenfalls bedeutende Organisten europäischen Ranges. Auch die Internationalität des Teilnehmerkreises ist in diesem Jahr erheblich gewachsen. Insgesamt 14 Studenten und Kirchenmusiker aus sieben europäischen Ländern, darunter: Deutschland, Schweiz, Italien, Slowenien, Polen Tschechien und Südkorea hatten in den vergangenen Tagen die Gelegenheit, mehr als ein Dutzend Orgeln der sächsischen Region kennen zu lernen und im Rahmend er Kurse an diesen historisch wertvollen Instrumenten zu spielen.

Wichtiger Bestandteil der Orgelwoche war auch in diesem Jahr die wissenschaftliche Konferenz. Hier gab es die Möglichkeit, im Dialog zwischen jungen Studenten, Kirchenmusikern sowie prominenten Organisten und Oranologen, musikwissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen der künstlerischen Praxis zusammenzuführen bzw. zu diskutieren. Die Drucklegung der Referate erscheint regelmäßig in den Wissenschaftlichen Schriften der Akademie.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen natürlich wieder die Konzerte der Dozenten. Sie stellen eine geeignete künstlerische Plattform zur Darlegung von Interpretationsauffassungen unserer Zeit dar. Entgegen dem herkömmlichen Standard bei Orgelkonzerten erfreuten sich durchweg alle Konzerte einer durchweg positiven Publikumsresonanz. Dies spricht nicht zuletzt auch für das hohe künstlerische Niveau sowie die Auswahl und Vielfarbigkeit der Konzertprogramme

Konzertstätte war neben der St. Laurentiuskirche Lichtenstein erneut die ev. Kirche in Vernsdorf. Dort gastiert am Montag Prof. Roman Perucki aus Danzig mit einer glanzvollen Darbietung polnischer Orgelmusik. Ein einzigartiger Höhepunkt war ebenso das am Dienstag stattgefundene Konzert in der St. Georgenkirche in Schwarzenberg mit Prof. Daniel Maurer, der mit einem außerordentlich brillanten und klangvoll registrierten Vortrag französischer Orgelkompositionen der Romantik die zahlreiche Zuhörerschaft faszinierte. Am Mittwoch überzeugte Prof. Martin Strohhäcker aus Dresden mit einem virtuosen Konzertprogramm sächsischer und französischer Komponisten an der Kreutzbach-Orgel in Callenberg sein Publikum. Zum ersten Mal war am Donnerstag im Rahmen der Orgelwochen-Konzerte auch die erst kürzlich restaurierte Jehmlich-Orgel in Stolberg zu hören. Professor Elisabeth Ullmann präsentierte dort vor ca. 200 Zuhörern ein reizvolles Programm mit süddeutscher und sächsischer Orgelmusik. Der traditionelle Abschluss der diesjährigen Orgelwoche fand am Freitag, den 6. September in der St. Nepmukkirche Zwickau statt. Es konzertierten Prof. Jaroslav Tuma aus Prag mit einem Programm tschechischer Orgelmusik sowie die Teilnehmer der Orgelwoche mit einer Repertoireauswahl aus verschiedenen Ländern und Epochen.

Für Orgelliebhaber sei abschließend auf die CD-Reihe zur Orgelwoche verwiesen, die jeweils an den Konzertabenden bzw. in der Geschäftsstelle der Sächsischen Orgelakademie e.V. in Lichtenstein sowie im Kulturbüro Zwickau erhältlich ist. Jede der jährlich produzierten Tonträger beinhaltet eine Auswahl von Konzertmitschnitten der vergangenen Orgelwochen. Die Aufnahmen dokumentieren bisher weniger bekannte, aber wertvolle Instrumente der sächsischen Orgellandschaft und erfreuen sich einer großen Nachfrage. In internationalen Fachzeitschriften werden sie als „Dokumentation von bleibenden Wert" eingeschätzt.