
Sieben Tage rund um die Königin der Instrumente
Internationale Orgelwoche 2002 beendet -
Hochkarätige Konzerte und Kolloquien
1991 begannen die jährlichen „Sächsischen Orgelakademien" zunächst recht bescheiden. Im mittlerweile zwölften Jahr nun hat sich der Teilnehmerkreis quantitativ und qualitativ so erweitert, dass man den Namen ändern musste: Internationale Orgelwoche.
International der Kreis der Professoren, international der Kreis der Teilnehmer. Dr. Johannes Roßner, der das künstlerische Unternehmen seit Jahren erfolgreich und engagiert leitet, ist sehr zufrieden mit dem diesjährigen Verlauf. Mit einem Eröffnungskonzert hatte Professor Andreas Schröder, Karlsruhe, die Woche in der Lichtensteiner St. Laurentiuskirche begonnen. Deren Jehmlich-Orgel war kürzlich 100 Jahre alt geworden. Das Konzert galt als Benefizveranstaltung zu Gunsten der Hochwassergeschädigten der Stadt Grimma und erbrachte 757 Euro.
Dass die Veranstaltungsreihe gerade in der Region läuft, liegt am außerordentlich dichten Bestand historisch und künstlerisch wertvoller Orgeln, darunter die Silbermann in Fraureuth. Vorträge zu speziellen Themen, zur Musik Johann Sebastian Bachs, zur süddeutschen Orgelmusik der Romantik, Kolloquien und anderes füllten die Woche aus.
Die Teilnehmer kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich, Italien, Tschechien, Polen und Südkorea. Einhelliges Lob fanden die Vielfalt der Themen, das konstruktive Arbeitsklima und die ausgezeichnete Organisation.
Höhepunkte für die Zwickauer Freunde der Orgelmusik waren die Konzerte am Freitag und Sonnabend in Zwickauer Kirchen. Professor Jaroslav Tuma von der Musikakademie Prag gab mit neun Teilnehmern am Freitag ein hochrangiges Konzert an der Walcker-Orgel der katholischen St-Nepomuk-Kirche mit Werken alter und neuer Meister der internationalen Orgelliteratur. Tuma, ein Organist der Sonderklasse, spielte drei Werke tschechischer Komponisten. Die Beiträge der Teilnehmer, die in der zweiten Hälfte des Konzertes spielten, enthielten werke unter anderem von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Georg Muffat (1653-1794), Johann Pachelbel (1653-1706), aber auch sehr moderne Kompositionen von Marian Sawa (geb.1951), Petr Eben (geb.1929) und Olivier Messiaen 1908-1992).
Gerade bei den modernen Werken zeigte die Orgel ihre außerordentliche Variationsbreite auch bezüglich moderner Klanggestaltung, besonders eindrucksvoll zu hören bei „Hymnus in Honorem Sancti Petri et Pauli" von Messiaen, gespielt von der Südkoreanerin Hyun-Joo Na. Professor Schröder würdigte die herausragende Bedeutung der Orgelwoche nicht nur als wirksames Mittel künstlerischer Fortbildung, sondern auch als einen sehr willkommenen Schritt des Zusammenwachsens von Ost und West, da es doch in der Vergangenheit, besonders im Westen, in dieser Hinsicht beträchtliche Defizite gegeben habe, die es schrittweise zu überwinden gelte.
Mit einem Konzert des Gewandhausorganisten Michael Schönheit aus Leipzig an der Eule-Orgel im Zwickauer Dom St. Marien ging die Internationale Orgelwoche am Sonnabend zu Ende. In diesem Konzert waren Werke von Johann Sebastian Bach, Robert Schumann, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Franz Liszt und Friedrich Klose zu erleben. In diesem Konzert waren die Fuge Nr.3 („mit sanften Stimmen") aus „6 Fugen über den Namen Bach", op. 60 von Robert Schumann, und „Präludien und Fuge über B-A-C-H" von Franz Liszt die unbestreitbaren Höhepunkte des Abends.