Konzert in der St. Laurentiuskirche

Foto: Mathias Bertuleit
Freie Presse Hohenstein-Ernstthal am 10.05.2002
Beitrag von Viola Heidrich

Begeisterung für Ausnahme-Interpreten

„Sie haben es nicht anders gewollt" sagt Roderick MacDonald, ehe der die Trompete zur zweiten Zugabe an die Lippen setzt. Sie haben es nicht nur so gewollt, die etwa 150 Zuhörer in der st. Laurentiuskirche haben sich dafür auch die Handflächen heiß geklatscht. So schnell lassen sie den Solotrompeter des Gewandhauses und den Mann an der Orgel, Matthias Eisenberg, nicht wieder gehen. Auch nach der zweiten Zugabe im Übrigen nicht: zu viele wollen sich bei den beiden Ausnahme-Interpreten persönlich für diesen Abend bedanken oder ein Autogramm mit nach Hause nehmen.

Eineinhalb Stunden zuvor hatte der außergewöhnliche Auftritt der Beiden an diesem Dienstagabend begonnen. Optisch konnten die Gegensätze nicht krasser sein. Der schlanke Amerikaner MacDonald, der für den am Montag erkrankten Solotrompeter Mathias Schmutzler eingesprungen und im schwarzen Anzug mit roter Fliege erscheinen war, und der gebürtige Dresdner Eisenberg, der „Gigant an der Orgel" (Orgelakademie-Vorsitzender Johannes Roßner), im schwarzen Schlabberpullover, wirrem Haar und einem Einkaufsbeutel in der Hand.

Doch mit dem ersten hellen Trompetenton, dem ersten Griff in die Tasten, verschmolzen die Beiden zu einer Einheit, der aber zugleich jeder mit seiner Interpretation seine eigene Note aufsetzte.

Eisenberg spielt die Orgel nicht, er lebt sie. Sind beim Adagio die Augen mitunter halb zugekniffen und der Blick fast verträumt, so kommt beim Allegro Leben in jede Faser seines Körpers, glaubt man, es halte ihn nicht länger auf der Bank. Bei Johann Gottfried Walthers Concerto in h" bilden sich die ersten Schweißtropfen auf seiner Stirn.

Mittendrin, nach Johann Ludwig Krebs „Toccata in E", gibt es ein kleines Problem mit der Orgel. Eisenberg entschuldigt sich beim Publikum für die Störung und lebt sein Missfallen im folgenden Krebs-Stück aus. Dann Blickkontakt mit dem Trompeter, beide lächeln. Auch als der Beifall nach Händels „Voluntary in C" besonders lang und laut ausfällt, huscht ein schmunzeln über das Gesicht des erfolgverwöhnten Organisten. Erfolg auch diesmal: Ganz am Ende gibt es stehende Ovationen.

Matthias Eisenberg spielt in kleinen Kirchen und großen Häusern auf der ganzen Welt. Nun spielt er in Lichtenstein. Und wahrscheinlich wird er es wieder tun. „Sie wollen beide wiederkommen, und wie laden sie auch wieder ein" sagte Johannes Roßner am Tag nach dem Konzert.

Einen glanzvolleren und gelungeneren Auftakt für ihre Veranstaltungen anlässlich des 100-jährigen Weihejubiläums des Jehmlich-Orgel in der Lichtensteiner Laurentiuskirche konnte die Sächsische Orgelakademie wohl kaum finden.